Zwiebeln schneiden

Die Zwiebel ist ein Mysterium unter den Lebensmitteln. Sie steckt voller gesunder Wirkstoffe und zwingt doch gleichzeitig den stärksten Mann/die stärkste Frau mit feuchten Augen in die Knie, wenn es darum geht, sie zu schneiden. Kaum ist das Messer angelegt, tränen die Augen. Aber warum ist das so? Schuld daran ist der natürliche Schutzmechanismus der Zwiebel. In freier Wildbahn sondert die Pflanze zwei Stoffe ab, die sie davor schützen, von Mäusen und anderen Feinden angefressen zu werden. Wenn diese beiden Stoffe aufeinander treffen, ist dem Weinen kaum Einhalt zu gebieten. Um tränende Augen beim Zwiebelschneiden zu vermeiden lohnt es sich, einige Vorkehrungen zu treffen.

10 Tipps zum Zwiebelschneiden

  1. Wässere dein Schneidebrett etwas, sodass weniger Reizgase der Zwiebel nach oben aufsteigen können.
  2. Um weniger Zwiebelzellen zu verletzten, empfiehlt es sich, ein scharfes Messer zu verwenden. Dadurch wird eine geringere Menge des reizenden Stoffes freigesetzt.
  3. Schneide die Zwiebel bei geöffnetem Fenster, damit die reizenden Dämpfe abziehen können. Schalte notfalls zusätzlich die Dunstabzugshaube ein.
  4. Fülle eine Schüssel mit Wasser und schäle die Zwiebel direkt unter Wasser.
  5. Schneide die Zwiebel im Sitzen. Auf diese Weise können die senkrecht nach oben steigenden, schwefelhaltigen Inhaltsstoffe nicht in deine Augen gelangen.
  6. Behalte einen Schluck Wasser in deinem Mund während du Zwiebeln schneidest.
  7. Atme nur durch den Mund und nicht durch die Nase. Somit schützt du deine Schleimhäute und die Augen bleiben trocken. Alternativ kannst du dir auch die Nase vorsichtig zuklemmen.
  8. Schneide die Wurzeln der Zwiebel als letztes ab, weil diese besonders viele der unangenehmen Gase beinhalten. Hand auf’s Herz: Bei wem kommt die Wurzel auch immer zuerst ab?
  9. Mit einer Küchenmaschine kannst du die Zwiebeln natürlich schneller und ohne eine Träne zerkleinern.
  10. Nicht nur effektiv, sondern auch unterhaltsam für Kinder ist die Taucherbrillen-Variante. Mit dieser gewappnet kullert garantiert keine Träne.

Die Zwiebeltreter – Eine lange Tradition in Franken

Der Begriff Zwiebeltreter hat folgenden Ursprung: Früher traten die Gärtner das aus der Erde kommende Grün der Zwiebel eifrig um, damit die gesamte Wachstumsenergie der Zwiebel zu Gute kommen konnte. Dadurch wurde also ein gesundes Zwiebelwachstum gefördert. Dieses Ritual erfolgte dann jedes Jahr im Hochsommer, die ganze Familie packte mit an: ausgestattet mit Holzbrettern an den Füßen sicherlich ein einprägsamer Anblick!

Gerade die Bamberger sind als Zwiebeltreter weit über die Grenzen der Stadt bekannt. Anfang September wird dieser Spitzname dann im großen Stile in Form eines Festes zelebriert. Das Fest setzt die historische Gärtnerstadt, die Teil des UNESCO-Welterbes Bamberg ist, mit Musik, Unterhaltung und viel Gärtnerwissen in Szene. Hier lässt man sich den original Zwiebelburger oder die Bamberger Biere schmecken, lauscht Konzerten oder macht beim traditionellen Schafkopfturnier mit.

Zwiebelsamen waren schon in den Anfängen das Aushängeschild des Bamberger Gartenbaus. Über Jahrhunderte entwickelte sich die Zwiebel dann sogar zum Haupthandelsartikel der Gärtnerstadt. Er wurde nach Holland, England und ins übrige damalige Ausland geliefert. Mitte des 17. Jahrhunderts soll der Export von Zwiebelsamen seinen Höhepunkt erreicht haben. Ab dem 18. Jahrhundert etwa tritt der Zwiebelsamen nach und nach hinter die Erzeugung von Steckzwiebeln und von küchenfertigen Zwiebeln zurück. Auch die Bedeutung der Zwiebel in der Produktpalette der Gärtner schwindet leider stetig.

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Dunkel war alles und Nacht.
In der Erde tief
die Zwiebel schlief,
die braune.

Was ist das für ein Gemunkel,
was ist das für ein Geraune,
dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.

Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?
Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht

und um sich geblickt
mit einem hübschen Tulpengesicht.

Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.
(Josef Guggenmos)
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